(Zeichnung: Carl Røgind, 1871-1933)
Klaus hat die KI befragt, warum Dän*innen jeden Alters und Geschlechts um den Weihnachtsbaum tanzen (gern auch um öffentliche Bäume zu Hunderten) und Deutsche schier nicht. Hier die vergnügliche Antwort (mit kleinen Ergänzungen von mir):
„Das ist eine faszinierende Beobachtung, die den Kern der kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Skandinavien perfekt trifft. Während das deutsche Weihnachtsfest historisch zur Kontemplation (Besinnlichkeit) neigt, ist das dänische Fest stärker von Gemeinschaft und Bewegung geprägt.
Hier sind die Gründe für diesen Unterschied:
1. Besinnlichkeit vs. „Hygge“ und „Glæde“
In Deutschland ist das Weihnachtsfest seit dem 19. Jahrhundert stark durch die Romantik geprägt.
- Deutschland: Weihnachten ist das Fest der „Innerlichkeit“. Man sitzt vor dem Baum, betrachtet die Lichter und denkt nach. Die Stimmung soll „feierlich“ und „würdevoll“ sein. Tanzen würde diese andächtige, fast sakrale Stille für viele Deutsche brechen. Ein gutes Beispiel dafür ist das steife „Weihnachten bei den Buddenbrooks“, siehe meinen Artikel hier.
- Dänemark: Hier dominiert das Konzept von Hygge und Glæde (Freude), das untrennbar mit aktiver Gemeinschaft verbunden ist. Das Tanzen um den Baum (at danse om juletræet) ist ein fröhlicher, integrativer Akt, bei dem sich alle – vom Kleinkind bis zum Großvater – an den Händen halten. Es baut Barrieren ab, während das deutsche Sitzen eher Distanz und individuelle Betrachtung wahrt.
2. Religiöse Wurzeln und die „Schwere“ der Liturgie
Obwohl beide Länder protestantisch geprägt sind, entwickelten sich unterschiedliche Traditionen:
- In der deutschen Tradition (stark beeinflusst durch den Pietismus) wurde das Weihnachtsfest zunehmend verinnerlicht. Das Liedgut ist oft getragen und ruhig (Stille Nacht) – oder denkt einmal daran, wie laaaangsam „Oh, du fröhliche“ gesungen wird!
- In Dänemark haben sich viele ältere, teils vorchristliche Bräuche der Mittwinterfeier mit dem christlichen Fest vermischt. Das Singen und Tanzen ist dort ein Ausdruck von Lebensfreude, um die dunkle Jahreszeit zu vertreiben – eine deutlich extrovertiertere Form der Religionsausübung.
3. Der „Grundtvigianismus“ in Dänemark
Ein spezifisch dänischer Grund ist der Einfluss von N.F.S. Grundtvig im 19. Jahrhundert. Er prägte eine Form des Christentums, die „fröhlich“ und „volksnah“ war (den glade kristendom).
- Er legte Wert auf das gemeinsame Singen und die körperliche Gemeinschaft.
- Während in Deutschland die bürgerliche Etikette vorschrieb, dass man sich am Heiligabend diszipliniert und „gesittet“ verhält, förderte die dänische Volkskirche die lebendige, gemeinschaftliche Freude.
4. Die bürgerliche Erziehung in Deutschland
Der Weihnachtsbaum, wie wir ihn kennen, wurde im 19. Jahrhundert durch das deutsche Bürgertum populär. In dieser Zeit war Erziehung oft gleichbedeutend mit Selbstbeherrschung.
- Das Kind sollte vor dem Baum „stillstehen“ und Gedichte aufsagen, um seine Erziehung und Disziplin unter Beweis zu stellen. Dazu kam in meiner Familie noch das Blockflötespielen.
- Toben oder Tanzen passte nicht in das Ideal der „höheren Tochter“ oder des „braven Sohnes“.
Der Vergleich auf den Punkt gebracht
| Merkmal | Deutschland (Traditionell) | Dänemark (Traditionell) |
| Körperhaltung | Sitzend, andächtig, betrachtend | Stehend, im Kreis gehend, tanzend |
| Fokus | Das Individuum und das Licht („Innerlichkeit“) | Die Gruppe und die Verbindung (Händchenhalten) |
| Klangbild | Ruhige Lieder, Flötenmusik, Stille | Fröhliche Lieder, Rhythmus durch Bewegung |
Zusammenfassend: In Deutschland ist die Ernsthaftigkeit an Weihnachten ein Zeichen von Respekt vor dem Heiligen oder dem Besonderen. In Dänemark hingegen ist die Freude ein Zeichen von Respekt vor der Gemeinschaft. Beides ist auf seine Art wertvoll, führt aber zu einer völlig anderen Dynamik im Wohnzimmer.“ (Wie wahr!)
Wenn ihr sehen wollt, wie so ein Tanz live ausschaut, hier der Youtube-Link.