Wer kennt sie nicht, die Stände der Firma Käthe Wohlfahrt auf den deutschen Weihnachtsmärkten? Alles begann 1964 in Herrenberg bei Stuttgart, als die aus Sachsen stammende Familie im Frühjahr eine erzgebirgische Weihnachtsspieluhr verschenken wollte und dem Großhändler gleich zehn Stück abnehmen musste. Schon 1977 war das Unternehmen so erfolgreich, dass die Räumlichkeiten aus allen Nähten platzten. Man beschloss, den Firmensitz nach Franken, in das romantisch-mittelalterliche Rothenburg ob der Tauber zu verlegen. Und dort residieren Wohlfahrts noch heute, mittlerweile in dritter Generation.
Das erste Geschäft hier war der „Christkindlmarkt“. Heute gibt es an jeder zweiten Ecke in der märchenhaften Rothenburger Altstadt Käthe-Shops. Der größte liegt gegenüber dem ersten, in der Herrngasse 1. Es ist „Käthe Wohlfahrts Weihnachtsdorf“, direkt neben dem Marktplatz der Stadt und ganz unübersehbar – steht doch direkt am Eingang ein übermannshoher Nussknacker, und auf der Straße davor parkt ihr Weihnachtsexpressbus, voll beladen mit Geschenken. Im Weihnachtsdorf bietet die Firma auf mehreren Etagen und rund 1.000 m² das ganze Jahr lang etwa 20.000 verschiedene Produkte an. Sie legt hierbei Wert auf traditionelle erzgebirgische Holzschnitz- und thüringische Glasbläserkunst. Mittlerweile gibt es jedoch auch Dekoartikel aus der eigenen Rothenburger Werkstatt, alles ebenfalls eher traditionell oder amerikanisch-kitschig, but handmade in Germany.
Im Inneren der Weihnachtswelt befindet sich eine Nachbildung eines verschneiten fränkischen Marktplatzes. In seiner Mitte steht ein fünf Meter hoher weißer Plastik-Weihnachtsbaum, der sich langsam dreht. Seine 12.500 Lämpchen und mehr als 1.600 Baumornamente zaubern eine durchaus auch mich faszinierende Weihnachtsstimmung. Christian II., ein Nussknackerkönig mit der stattlichen Größe von 3,80 Meter, bewacht das Weihnachtsdorf. Einzigartig ist auch die 5,50 Meter hohe Weihnachtspyramide, die es auf ansehnliche zwei Tonnen Gewicht bringt. Insgesamt wurden für die Dekoration 2.000 Meter Tannengirlanden und über 122.000 Christbaumlämpchen verwendet.
Bei Käthe Wohlfahrt kannst du Weihnachtspyramiden mit Kerzen oder Glühlampen kaufen, bergmännische Schwibbögen, Holz- und Zinnornamente, Glasschmuck oder Räuchermänn- und -weiblein. Ich selbst habe einen Plätzchen-Ausstecher in Form einer Schneeflocke erstanden. Nach Holzmodeln habe ich hingegen vergeblich gesucht, ebenso wie nach Skurilem oder gar Kunst. Auch Material für eigene Kreativität ist dünnst gesät – ebenso wie anspruchsvolle Weihnachtsliteratur.

Natürlich wollen die anderen Rothenburger Läden hinter dem Platzhirschen nicht zurückstecken, und so haben die meisten eine Ecke oder mehr das ganze Jahr lang dem traditionell-deutschen Weihnachtsschmuck gewidmet. Und da Käthe Wohlfahrt an 7 Tagen die Woche geöffnet hat, bemühen sich die anderen häufig ebenfalls darum. Rund eine Million Besucher aus dem In- und Ausland kommen jedes Jahr und danken es ihnen. Selbst meine 20 m²-Ferienwohnung ist mittlerweile mit einem nostalgisch-braun-weißen Käthes-Weihnachtsbus-Foto geschmückt.
Natürlich hat Käthe Wohlfahrt auch einen Onlineshop und verschickt in fast die ganze Welt alles von A wie Adventskalender bis Z wie Baumschmuck aus Zinn. Aber ein Besuch in der historischen Herrngasse macht entschieden mehr Spaß. Ich selbst habe die Läden an Pfingsten 2026 erkundet. Aber wenn dich das Gedränge nicht stört, ist ein Besuch in der Adventszeit bestimmt noch romantischer – der Rothenburger Reiterlesmarkt soll zu den zwölf schönsten Weihnachtsmärkten Deutschlands gehören!