Magische Weihnachten Advent,Weihnachtsmuseen Rothenburg: Deutsches Weihnachtsmuseum

Rothenburg: Deutsches Weihnachtsmuseum

Das Weihnachtsmuseum im romantischen Rothenburg ob der Tauber wurde 1998 als erstes seiner Art in Deutschland eröffnet. Es befindet sich im ersten Stock von Käthe Wohlfahrts „Weihnachtsdorf“ in der Herrngasse 1 fast direkt am historischen Marktplatz des fränkischen Städtchens und ist ganzjährig geöffnet. Gehalten in hellblau und etwas gold soll es den Eindruck vermitteln, im Himmel zu sein. Leider hat es keinen eigenen Shop, lediglich eine Broschüre und ein Buch zum Thema Nussknacker kann man erwerben. Die Betreiber haben sich vielleicht gedacht, es langt, was man im Weihnachtsdorf unten an (Fach-)Literatur erwerben kann, nur ist dies äußerst dürftig – und so bietet der Rothenburger Shop gerade einmal 16 Bücher an, der des Weihnachtshauses in Husum hingegen 164!

Aber zurück zu den Rothenburgern. Das Museum zeigt auf 250 m² rund 3.000 Exponate zur Geschichte der deutschen Weihnacht bis 1950. Vieles war mir noch unbekannt. Zum Beispiel, dass die Mode, Bäume ausschließlich in weiß und silber zu schmücken, zur Zeit des Jugendstils aufkam. Das Wort leonischer Draht hatte ich schon gehört, aber ich hätte den Begriff nicht erklären können. Man versteht darunter vergoldete oder versilberte Kupferdrähte. Mit ihren filigranen Gespinsten wurde billiger Baumschmuck veredelt. Diese Drähte stammten aus Léon in Spanien und Lyon in Frankreich, daher der eingedeutschte Name.

Was aber ist Tragant? Nun, er ist eine Gattung der Schmetterlingsblütler, aus deren Saft eine gummiartige Masse gewonnen und mit Rosenwasser, Eiweiß, Zucker und Stärke zu einer feinporigen Modellliermasse gleichen Namens gemischt wird. Tragant erscheint in den Kochbüchern der Zuckerbossierer des 17. und 18. Jahrhunderts auch unter der Bezeichnung „ausgelaufenes Zuckerzeug“. Insbesondere während des 19. Jahrhunderts fanden Figuren aus dieser Masse vielfach Verwendung. Neben einigen Tragantern im Schwäbischen waren vor allem Wiener und Berliner Meister für ihre Weihnachtsbaumware in der Biedermeierzeit berühmt. Tragant kann gut mit Holzmodeln geformt und anschließend mit Lebensmittelfarbe bemalt werden.

Ein Highlight sind für die Museumsleute rund 100 historische Weihnachtsmannfiguren (anfangs guckte er noch ernst und war auch nicht pausbäckig). Mich hingegen interessieren vor allem der Begleiter des Nikolaus im Bayerischen, der schwarzrot gekleidete und maskierte Krampus, sowie die beweglichen Blechfiguren und eine Vitrine, die sich mit der Usurpation und Pseudo-Germanisierung des Weihnachtsfestes durch die Nazis beschäftigt (der Hinweis, dass hier nicht fotografiert werden darf, ist so ungünstig angebracht, dass ich ihn erst nach einer ganzen Reihe von Aufnahmen bemerke).

Die Kosten für den Eintritt sind überschaubar (Rentner*innen erhalten Rabatt) – ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall!

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