Magische Weihnachten Advent,Adventsliteratur Janosch: Der alte Mann und der Bär

Janosch: Der alte Mann und der Bär

Kennst du Hemingways „Der alte Mann und das Meer“? An diesem Titel hat sich der Illustrator und Schriftsteller Janosch orientiert – und dabei ein völlig anderes Bild gezeichnet. Bei Hemingway geht es um Mord und Krieg: Ein alter Fischer namens Santiago (also Heiliger Jakob auf deutsch), von seinem jungen Helfer verlassen, fährt auf’s Meer und fängt nach tagelangem, hemingway-heroischem Kampf einen riesigen Marlin. Den muss er gegen die hungrigen Haie verteidigen, von denen er ebenfalls mehrere tötet. Schließlich aber kommt er nur noch mit dem Skelett des Fisches zu Hause an – und sein Helfer kehrt zu ihm zurück. Das alles wird religiös verbrämt mit Hiob und der Versuchung Christi.

Ganz anders Janosch: Hier geht es nicht um den heldenhaften Kampf zwischen Mann und Tier, um Blut und Schmerz und Gegnerschaft – sondern um die Freundschaft zwischen beiden: Ein alter Mann lebt abseits des Dorfes, von dessen Bewohnern er Gregor genannt wird (Namensbedeutung: „wachsam den wiederkehrenden Christus erwartend“). Seine Hütte ist ärmlich, er verkauft im Wald Gesammeltes und arbeitet ab und an für die Dörfler. Von dem wenigen Geld, was ihm im Laufe des Jahres übrig bleibt, kauft er zur Weihnachtszeit so viele Tiere als möglich von einem Vogelfänger und – lässt sie frei! Doch er wird älter und schwächer, und in seinem letzten Winter reicht das Geld nur noch für einen kranken Hänfling. Er weiß, dass er ihn in seiner Hütte nicht wird über die kalte Jahreszeit bringen können, und geht deshalb zusammen mit anderen Tieren zum Bären in seine Höhle. Der Bär nimmt ihn freundlich auf (ja, ich weiß, in Wirklichkeit würde er schlafen) und der alte Mann stirbt dort, umgeben von seinen tierischen Freunden. In einem anderen Winter ist schließlich auch der Bär ganz alt geworden und merkt, dass er in seiner Höhle nicht überleben würde. Also geht er ins Dorf, unterstützt vom kleinen Hänfling. Es ist Weihnachten, und sie möchten gerne in die Kirche, um sich aufzuwärmen. Aber der Küster lässt sie nicht ein. Also warten sie vor der Tür, und als der Gottesdienst zu Ende ist, werden die beiden von Kindern entdeckt. Sie halten den Bär für einen verzauberten Prinzen und wollen ihn füttern, aber ihre Eltern ziehen sie fort – morgen sei auch noch ein Tag. Doch am nächsten Tag sind Bär und Hänfling gestorben.

Das erinnert stark an „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen“ und ist wunderbar illustriert. Ich habe in den Rezensionen gelesen, dass einige Leute sich darüber aufregen, dass eine Weihnachtsgeschichte (so der Untertitel) schlecht endet – als ob an Weihnachten alles Friede-Freude-Eierkuchen wäre. Das ist es nicht auf der Welt, solange das Fest in erster Linie dem Konsum und der Bigotterie dient statt der Nächstenliebe und Gewaltfreiheit (natürlich auch an den anderen 364 Tagen des Jahres).

Der fromme Janosch hat ein durchaus ambivalentes Verhältnis zum Katholizismus, den er als den „größten Unfall seines Lebens“ bezeichnet hat. Aber er meint auch, dass der Gottesglaube ein besserer Irrtum als die Wahrheit sei und verlangt, auf seinem Grabstein dürfe keinesfalls stehen: „Hier ruht in Gott der Schöpfer der Tigerente.“ In diesem Sinne hat er ein wahrhaftig urchristliches Weihnachtsbüchlein gezeichnet und geschrieben.

Du kannst es hier bestellen.

Hinterlasse eine Nachricht

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Related Post