
Die Märchen des vermutlich berühmtesten Dänen begleiten mich seit meiner Kindheit in verschiedenen Zusammenstellungen, meist farbig illustriert. Auch wenn Andersen in Deutschland wohl nur wegen seine Erzählungen für Kinder bekannt ist, konnte er doch viel mehr: Er schrieb Gedichte, Reiseliteratur und war ein Meister des Scherenschnitts.
Das vorliegende Buch ist leider nur noch antiquarisch zu erhalten: Es umfasst die drei Märchen „Die Schneekönigin“, „Der Tannenbaum“ und „Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen“. Dazu gibt es eine CD (wer nicht lesen mag, darf hören!) mit Gitarren- und Klaviermusik von Peter Schindler, Reinhold Weiser spricht. Von Anastassija Archipowa stammen die Bilder.
Es lässt sich trefflich darüber diskutieren, wie sentimental das ein oder andere Märchen des Dichters ist. Aber auch heute noch treiben mir die beiden letzten Absätze der Geschichte des kleinen Mädchens, das in der letzten Nacht des alten Jahres erfriert, die Tränen in die Augen:
„Am anderen Morgen fanden die Leute in dem Winkel zwischen den Häusern den kleinen, leblosen Körper, mit den roten Backen und einem lächelnden Mund. Die starre Hand hielt die Schwefelhölzchen, von denen ein Bund abgebrannt war.
„Sie hat sich wärem wollen“, sagte jemand, „und ist dabei erfroren.“ Niemand ahnte, was sie Schönes gesehen hatte, in welchem Glanze sie mit der Großmutter in ein neues Jahr gegangen war.“
Ein Schicksal übrigens, dass Andersen aus seiner eigenen Kindheit in seiner Umgebung nur zu gut kannte – die Familie besaß nichts, und er selbst besuchte die Armenschule.
(c) für das HörBucherlebnis 2007 Esslinger Verlag J.F. Schreiber, ISBN 978-3-480-22349-7