Wer nach einem Hygge-Buch für einen schönen Abend vor dem Kaminfeuer sucht, ist mit diesem Roman von Hiltrud Baier gut bedient: durchaus spannend, aber weder sprachlich noch inhaltlich besonders anspruchsvoll. Da ich den Titel in einer guten Buchhandlung erworben hatte, erwartete ich allerdings mehr.
Die Autorin ist Buchhändlerin und hat Germanistik und Pädagogik studiert. Vor gut zwanzig Jahren verschlug es sie dann der Liebe wegen von Deutschland ins schwedische Lappland (Sápmi), wo auch ihr Roman spielt. Ja, wenn man sich noch nie mit der samischen Kultur befasst hat, lernt man hier durchaus Einiges, wenn sie einem wie mir nicht komplett fremd ist, deutlich weniger. Und ich habe den Verdacht, dass sich ihre Sprache vereinfacht hat, weil sie nun schon sehr lange außerhalb Deutschlands lebt. Hier ein Stilbeispiel:
Die Hauptperson, Nova, ist Grafikerin, lebt in einem Vorort von Hamburg und soll ein Buchcover entwerfen: „Doch sosehr Nova sich auch den Kopf erbrach, ihr kam keine passende Idee. All ihre bisherigen Versuche waren Mist.“ (S. 8) Hinzu kommt eine Neigung zu sehr kurzen Sätzen, gerne Subjekt-Prädikat-Objekt mehrfach hintereinander.
Der Inhalt: Früher hat Nova jede Ferien bei ihrem Vater Juhan und seiner neuen Familie in Sápmi verbracht. Es sind ihre schönsten Kindheitserinnerungen: ihr Vater, dem sie bei der Pflege der Rentiere helfen durfte, ihre ‚Bonusmama‘ Kristin, die warme Mützen für sie strickte, und Kaspar, ihr halbseitig fast gelähmter Stiefbruder, der sich im Schlitten immer dicht an sie schmiegte. Dass mit dem Tod ihres Vaters auch der Kontakt zum Rest der Familie abbrach, ist für Nova bis heute schwer zu verkraften. Weder von Kristin noch von Kaspar hat sie je wieder gehört. Als ein Brief aus Nordschweden Nova zur Testamentseröffnung ihres Vaters einbestellt, glaubt sie an eine Verwechslung. Schließlich ist Juhan nicht vor zwei Wochen gestorben, wie der Notar behauptet, sondern vor mehr als zwanzig Jahren. Nova macht sich auf den Weg nach Nordschweden. Eine Reise, die ihr Leben von Grund auf verändert.
Die Farben des nordschwedisch-samischen Winters, die sind über den größten Teil des Buches hinweg grau-weiß und schwarz. Erst gegen Ende des Buches ändert sich das nachdrücklich. S. 249: „Sie wollte mehr. Wollte malen, wie früher. Verschiedene Techniken ausprobieren. Bleistift, Aquarell, Öl. Sie wollte Menschen und Rentiere malen, Sami in den Bergen, endlose Rentierherden, samische Trachten, Messer und Gürtel, Armbänder. Und sie wollte die Farben des Winters einfangen. Diese unzähligen Farbnuancen am Himmel, die es nur in dieser eiskalten Gegend gab. Das blaue Polarlicht am Morgen, wenn es langsam hell wurde und am Nachmittag dämmerte. Das blasse Rosa, das in ein kaum merkbares Hellblau überging, vor allem dann, wenn die Temperaturen fast unmenschlich wurden, die Luft vor Kälte flirrte und der Atem an den Haaren gefror. Die feinen Perlmuttwolken, die in den unterschiedlichsten Farbnuancen schillerten.“ Da ist es dann schade, dass die Schatten des Buchcovers nicht ganz korrekt fallen…
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