Elinborg Lützen: Fliegender Engel bläst Posaune 3. Undatiert, Linoleumsdruck, 145x155mm, Privateigentum
Bei meinem letzten Besuch auf den Färöern im März 2026 habe ich vergeblich versucht, in der Hauptbuchhandlung Tórshavns ein schönes Weihnachtsbuch zu finden – es ist einfach die falsche Jahreszeit. Ein bisschen mag ein fiebriger Bericht der berühmtesten färöischen Grafiker*in, Elinborg Lützen, weiterhelfen. Sie war zum Kunststudium nach Kopenhagen gegangen und saß dann dort bis 1945 fest, weil plötzlich die Nazis Dänemark okkupiert hatten und die Briten daraufhin die für die Alliierten strategisch wichtigen, wie Grönland zu Dänemark gehörenden Färöer besetzten.
Ich gehe davon aus, dass ihr Fiebertraum stark dänisch geprägt ist – da Weihnachtsbäume auf den fast baumlosen Färöern 1946 eher selten gewesen sein dürften. Im Buch der Nationalgalerie der Färöer schreibt Nils Ohrt (auf Dänisch) über ihre Briefe an die Kusine Hjørdis:
Ihre „Geschichten sind (…) von einem sprudelnden und respektlosen Humor durchdrungen, der auch eine befreiende Selbstironie beinhaltet. In einem Brief vom 31. März 1946 berichtet Elinborg Lützen, wie sie, von heftigen Halsschmerzen geplagt, in einem fiebrigen Delirium liegt und über Schmetterlinge und Christbaumschmuck fabuliert, als ihr Mann Mikines in ihr gemeinsames Haus in Tórshavn zurückkehrt. Während er sie zunächst des Alkoholkonsums und dann der Einnahme einer Flasche ihm verschriebener Schlafmittel verdächtigt, fällt ihm auf: „Mein glasiger Blick ähnelte dem Blick unserer Katze, als sie aus dem sechsten Stock (in Kopenhagen) gestürzt war und eine Gehirnerschütterung erlitten hatte. Auch die Schmetterlinge und der Weihnachtsbaumschmuck schienen von einer solchen Erschütterung zu zeugen.“
Ein Arzt wird gerufen und stellt fest, dass es sich um eine schwere Halsentzündung handelt: „Welch eine Nachricht! Ich habe Freudentränen vergossen und konnte mich nun meinen Schmetterlingen und meinem Weihnachtsbaumschmuck mit voller Kraft hingeben. Ich bin völlig erschöpft nach der ganzen Nacht, in der ich Schmetterlinge gefangen, Girlanden aufgehängt, Engel ausgeschnitten, Krämertüten und Herzen zusammengeklebt und mit schwebenden Bewegungen Engel, Feenhaar und Lametta arrangiert habe. Ja, ehrlich gesagt fühle ich mich, als hätte ich den Weihnachtsbaum samt allem Schmuck aufgegessen.“
Anleitungen zum Basteln von Krämertüten (Kræmmerhuse) und Weihnachtsherzen (Julehjerter) findest du in diesem Blog hier.
Das Buch, aus dem ich übersetzt habe, heißt: Elinborg Lützen, Svart-hvítur gandur / Sort-hvid magi. Es ist 2019 in färöisch und dänisch geschrieben und kann hier bestellt werden.