Magische Weihnachten Advent,Adventsliteratur Dickens: A Christmas Carol

Dickens: A Christmas Carol

Wieviele Schriftsteller fallen dir ein, die die allerbitterste Armut erlebt und darüber (auch) in ihren Weihnachtsgeschichten erzählt haben? Ich denke da an die Dänen Jacob A. Riis und Hans Christian Andersen, aber auch an Charles Dickens. 1824, er war damals gerade zwölf Jahre alt, landete sein Vater im Schuldturm. Charles musste die Schule verlassen und als Kind in der Fabrik arbeiten, um ihn auszulösen. Dickens weiß also aus eigener Erfahrung, worüber er spricht, wenn die Hauptperson von „A Christmas Carol“, der geizige Geldverleiher Ebenezer Scrooge, Spendensammler am Weihnachtstag abweist. Sie wollen von ihm eine milde Gabe für die Armen, und er fragt lediglich: Gibt es keine Gefängnisse mehr? Gibt es keine Armenhäuser mit Tretmühlen? Können sie nicht einfach sterben und damit der Überbevölkerung entgegenwirken?

Viele von euch haben vielleicht schon eine der (mehr oder minder guten) Kinoverfilmungen oder Fernsehproduktionen gesehen, aber es lohnt sich auf jeden Fall, Dickens Weihnachtsmärchen auch zu lesen. Sicher, Dickens war Christ, und manchmal fällt mir das im Text auch ein bisschen auf die Nerven, aber er hat vor allem: sehr viel Humor! Hier zum Beispiel der Beginn des ersten Kapitels (von Dickens Strophe genannt) in meiner Übersetzung:

„Marley <der Geschäftspartner von Scrooge> war tot: um damit anzufangen. Es gibt daran überhaupt keinen Zweifel. Das Beerdigungsregister war unterzeichnet vom Pfarrer, vom Sachbearbeiter, vom Bestatter und vom Haupttrauernden. Scrooge unterschrieb es: Und Scrooges Name galt als gut bei allem, was er in die Hand nahm. Old Marley war so tot wie ein Türnagel. Achtung! Ich will nicht behaupten, ich wüßte, was an einem Türnagel so besonders tot ist. Ich wäre geneigt, einen Sargnagel als das toteste Stück Eisenwaren im Handel anzusehen. Doch die Weisheit unserer Vorfahren liegt in diesem Gleichnis, und meine unheiligen Hände werden es nicht stören, sonst ist es um das Land geschehen. Ihr werdet mir daher gestatten, mit Nachdruck zu wiederholen, dass Marley so tot wie ein Türnagel war.“

Nun, dieser tote Marley erscheint Scrooge in der Nacht auf den 25.12. als Geist, gefolgt von den Geistern der vergangenen, der gegenwärtigen und der zukünftigen Weihnacht. Denn Marley bereut, dass er Zeit seines Lebens so geizig war und gleichzeitig so wenig Freude am Leben hatte. Wir ahnen schon: Die Geister richten es schließlich. Doch Dickens Abrechnung mit dem Kapitalismus ist sehr vergnüglich, und am Ende haben wir eine Win-Win-Situation, Scrooge hat was zu lachen, und die übrig gebliebenen Geizhälse auch.

Charles Dickens schrieb das Buch 1843 in nur sechs Wochen unter finanziellem Druck. Sein Verlag Chapman & Hall (den gibt es heute noch, als Imprint) war skeptisch, und so musste der Autor den Druck vorfinanzieren. Die erste Auflage (6.000 Exemplare) war in nur fünf (!) Tagen ausverkauft, und bereits 1844 gab es dreizehn Drucke! Da Dickens großen Wert auf die Vorsatzpapiere und den Einband legte, hat er an den allerersten Ausgaben nicht viel verdient, später dann schon.

Heute zählt Dickens zu den bedeutendsten Schriftstellern weltweit – und seine Weihnachtsgeschichte ist nach dem Bibeltext von der Geburt Christi die im Advent meistgelesene. Hier kannst du meine englischsprachige Ausgabe (und noch viele andere) kaufen.

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