Obwohl ja Weihnachten nach Ostern das wichtigste christliche Fest ist, finden wir beileibe nicht in allen Kirchen Darstellungen von Christi Geburt oder der Anbetung der Heiligen drei Könige. Deswegen werden hier in unregelmäßiger Folge Kirchen genannt, wo ich solche Bildnisse, Schnitzereien und mehr entdecke.
- Das fränkische Rothenburg ob der Tauber ist per se eine Weihnachtsstadt. Das merkt man nicht nur am Weihnachtsmuseum und an den vielen Geschäften, die ganzjährig Weihnachtsschmuck verkaufen, sondern auch an den Kirchen der mittelalterlich-märchenhaft wirkenden ehemaligen Reichsstadt.
* So steht in der katholischen Johanniskirche fest installiert eine Künstlerkrippe aus Keramikfiguren von Marta Hinckeldey-Wittke (1890-1978), die sich von ihrem Nazi-Ehemann trennte und in Rothenburg starb. Sie besteht aus acht Engeln, drei Hirten, Maria mit dem Jesuskind, Josef, Schaf, Esel, Kuh und den drei heiligen Königen. Die größte von ihnen misst 30cm. Menschlichkeit statt Knechtschaft durch den Zeitgeist war das Motto der Künstlerin.
* In der Pilgerkirche St. Jakob wird Weihnachten gleich mehrfach dargestellt – zum Beispiel auf dem Hauptaltar im Ostchor. Diesen sogenannten Zwölfbotenaltar (siehe Beitragsfoto) aus dem 15. Jahrhundert schuf der Nördlinger Friedrich Herlin. Die Gemälde auf der Vorderseite zeigen Szenen aus dem Leben Marias, links unten Christi Geburt und (rechts oben) die Anbetung der Heiligen drei Könige. Auch auf dem blauen Glasfenster hinter dem Altar (um 1400) ist Marias Leben aus christlicher Perspektive dargestellt. Doch das ist nicht alles. Schon kurz nach dem Eingang fällt links das Weihnachtsboot auf. Es ist eine moderne Makonde-Schnitzerei aus Tansania, vom Kilimandscharo, gefertigt aus Ebenholz: Im Heck des Bootes wird die Weihnachtskrippe gezeigt, mit Maria, Josef, dem Baby Jesus und einem kleinen Schaf. Die Jünger rudern, und im Bug bläst ein Engel die Posaune des Jüngsten Gerichts. Das Besondere: Alle Figuren sind Afrikaner*innen, mit krusseligen Haaren und natürlich „schwarz wie Ebenholz“.
* Die Franziskanerkirche stammt aus dem 13. Jahrhundert. Ihr wohl bedeutendstes Kunstwerk ist der gleichnamige Altar, um 1480/90. Die wohl zu Beginn der 1870er-Jahre mit dem Altar verbundene Predella wird Jakob Mulholzer (1490-1515) zugeschrieben. Sie zeigt die Anbetung des Christuskinds durch die heilige Familie und die Stifterfamilie (von Eyb) jenes Altars. - Esslingen, Marktkirche St. Dionys: Auf dem Hauptalter ist links Christi Geburt dargestellt. Jesus ist leider sehr speckig und kalkweiß – er sieht ungesund aus und gar nicht wie ein Neugeborenes. Die Kirche selbst ist eine Mischung aus Romanik und Gotik, der Altar wurde 1604 von Peter Riedlinger geschaffen.
- Schon besser gefällt mir die katholische St. Nikolauskirche in Konstanz-Dingelsdorf: Bereits vom Namen her ist sie ja einem Heiligen gewidmet, den wir alle mit der Vorweihnachtszeit in Verbindung bringen. Ansonsten war er Schutzpatron der Reisenden und Seefahrer. Die Kirche (15. Jh.) hat einen wirklich einmaligen Turm: Aus Platzgründen wurde er in das Kirchenschiff gebaut und steht mit einer Ecke und zwei Mauern auf einem gewaltigen Eichenstamm! Deutlich jünger ist der Hochaltar nach Plänen des Mainauer Baumeister Johann Caspar Bagnato. Er stammt aus dem Jahre 1750 und zeigt fröhlich und leuchtend die Geburt Christi und die Anbetung der drei Könige. Beide Gemälde sind Werke des Konstanzer Malers Jakob Anton Lenz. Auch ansonsten ist die Kirche mit mehreren Darstellungen der Jungfrau mit Kind geschmückt.
- Vor Frue Kirke in Nyborg auf der dänischen Insel Fünen. Diese Kirche wurde zwischen 1388 und 1428 erbaut und ist als solche sehenswert. Eines der Epitaphe, das in der Broschüre jedoch nicht näher beschrieben wird, stammt aus dem Jahre 1635, die Menschen tragen strenges Schwarz mit weißen Kragen. Es zeigt die Geburt Jesu. Über nähere Angaben zum Künstler würde ich mich freuen. Gern kannst du mir an barbara (at) pfeiferin.de eine Mail senden.