Modeln

Jedes Jahr backe ich in der Adventszeit vegane Springerle nach einem traditionellen Arme-Leute-Rezept (folgt im Laufe des Jahres). Dazu benötigt man Modeln. Ich besitze sechs verschiedene, aber natürlich gibt es tausende unterschiedlicher Muster für diese Variante der magischen Gebild-Brote.

Im fränkischen Rothenburg Museum ist ihnen ein kleiner Raum vollständig gewidmet (hier heißen die Springerle Eierzucker). Besonders im alpenländischen Bereich wurden kunsthandwerklich wertvolle, oft reichhaltig verzierte, regionaltypisch unterschiedlich gemusterte Modeln hergestellt. Aber auch im Schwabenland gibt es viele Arten. Wikipedia: „Ein Model besteht meistens aus Holz, das möglichst hart und feingliedrig sein muss. Neben Erle, Pappel, Pflaume und Weide wurden vor allem Birnbaum und Linde benutzt, da sich darin Motive fein abbilden lassen und sich nach dem Reinigen des Models mit Wasser keine Fasern aufstellen.“ Auch aus Steingut, Kunstholz oder Metall kann solch ein Model sein. Im Mittelalter zeigten die Modeln weihnacht- und österliche Motive, weltliche kamen erst im 17. Jahrhundert hinzu.

Mit Modeln wurden nicht nur Gebäckstücke wie Bärentatzen oder Springerle für uns Menschen hergestellt, sondern auch magisches Weihnachtsbrot für das Vieh, welches es vor Krankheiten schützen sollte. Auch die vier Elemente beschwor man, indem z.B. Gebäck in Fischform in den Brunnen geworfen wurde. Und mit Plätzchen in Buchstabenform (denke nur an unser Russisch Brot!) orakelte man. Anders geformte Modeln benötigt man für den niederrheinisch-westfälischen Spekulatius.

Natürlich gibt es auch Gebildbrote, die frei geformt und nicht mit Modeln hergestellt werden, wie z.B. den Klausenmann am 6. Dezember. Diese werden dann gern aus Hefeteig gefertigt.

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