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G. Sand: Ein Winter auf Mallorca

„Ein Winter auf Mallorca“ (im französischen Original „Un hiver à Majorque“) ist ein autobiografischer Reisebericht von der frühen Feministin, Anhängerin der freien Liebe und Sozialistin George Sand, der 1842 veröffentlicht wurde. Er schildert ihre Reise nach Mallorca in den Jahren 1838/39 mit ihren beiden Kindern und ihrem kranken Liebhaber, dem Komponisten Frédéric Chopin.

Ich habe eine ganze Reihe ihrer Bücher gelesen, kannte aber bis vor kurzem dieses noch nicht und habe mich über die Hörbuchfassung, unterlegt mit Préludes und anderen Werken Chopins, sehr gefreut.

Als George Sand „Ein Winter auf Mallorca“ schrieb, erlebte der Reisebericht eine Blütezeit. Das Buch erschien auf dem Höhepunkt der französischen Romantik, einer Zeit, in der Künstler die Beschreibung als eigenständiges Genre betrachteten. In Anlehnung an Jean-Jacques Rousseau ist sie von persönlichen Gefühlen und Vertraulichkeiten geprägt und kann tagebuchartige Züge annehmen. Dieses Werk ist jedoch zugleich eine Analyse einer politischen Situation. Seit 1835 suchte George Sand nach einem politischen System, das das menschliche Leben verbessern konnte. Sie interessierte sich unter anderem für die Person und die Ideen von Michel de Bourges, die sozialistischen Theorien von Pierre Leroux und jene von Claude-Henri de Rouvroy de Saint-Simon. Durch Saint-Simon erkannte sie die Bedeutung der Ökonomie, ein wiederkehrendes Thema in „Un hiver“.

Bei George Sands Ankunft befand sich Mallorca in einer schwierigen Lage: Arme Bauern kämpften gegen reiche Landbesitzer, gleichzeitig war es schwierig, eine auch nur einigermaßen passable Unterkunft zu finden. Das Buch erzählt von den Erlebnissen der Männer und Frauen, denen sie auf der Insel begegnete, von ihren Erfahrungen mit der Natur und mit sich selbst. Ihre Interaktionen mit den Bewohnern scheitern: Geprägt von den Ideen der Französischen Revolution und der Aufklärung, verstand George Sand die Mallorquiner nicht. Sie zeigt Arroganz und Verachtung für ihre Traditionen und ihren Alltag. Die Naturerfahrung verlieh George Sand jedoch eine starke kreative Energie, die während ihres Aufenthalts zu einem bedeutenden literarischen Schaffen führte. Diese Dynamik künstlerischen Schaffens während ihres Mallorca-Besuchs teilte sie mit Chopin. Die Selbsterfahrung in diesem Text wird nicht durch etwaigen Pariser Klatsch geprägt, und alles, was ihr Leben mit Chopin betrifft, wird ausgeblendet, ja sogar verdrängt, wodurch sie sich in dieser Hinsicht deutlich vom autobiografischen Genre abgrenzt. Vielmehr schildert sie ihre innere Erfahrung, die aus der Einsamkeit in einer erhabenen Landschaft besteht und ein „Selbst“, eine neue Empfindung für sie, formt. Sie thematisiert beispielsweise, was eine religiöse Erfahrung hätte sein können. Sie reflektiert über die Anforderungen der Hausarbeit, all die damit verbundenen organisatorischen und Anstrengungen.

In ihrem Buch greift George Sand die Mallorquiner vehement an, nicht nur aufgrund ihres Temperaments, sondern auch aufgrund der feindseligen Haltung der Einheimischen gegenüber einer fremden und unabhängigen Frau, die ihren religiösen Überzeugungen hinsichtlich der untergeordneten Rolle der Frau in der Gesellschaft widersprach. Insbesondere zögert sie nicht, die Mallorquiner als Affen zu bezeichnen: „Wir hatten Mallorca die Insel der Affen genannt, weil wir uns, umgeben von diesen listigen, plündernden, aber unschuldigen Tieren, daran gewöhnt hatten, uns vor ihnen zu schützen, ohne mehr Groll oder Bosheit zu hegen als die schelmischen und scheuen Affen und Orang-Utans den Indigenen.“ Die Autorin teilt dem Leser mit, dass sie ursprünglich eine Erzählung schreiben wollte, letztendlich aber „persönliche Eindrücke“ schildert. Ihre hochmütige Haltung gegenüber den Spaniern ist durchgängig. Die Autorin zeugt damit von einem schwachen Verständnis für das Fremde und hebt gleichzeitig hervor, wie die Mallorquiner jener Zeit jeder Frau das Recht verweigerten, nach ihrem eigenen Willen und ihren Überzeugungen zu leben. „Ein Winter auf Mallorca“ ist ein Beispiel für die Intoleranz, zu der George Sand fähig war, aber auch die Perspektive einer Frau, die sich weigerte, sich Beleidigungen und Verachtung zu beugen.

Die Spanier reagierten auf George Sand mit heftiger Kritik, die oft von Lügen und Verleumdungen geprägt war. Das Buch löste in Paris Spott über Mallorca aus. Eine Episode mit Schweinen sorgte für viel Gelächter. Wenn sich die Mallorquiner beleidigt fühlten, dann nur, weil es ihnen an Witz mangelte, argumentierte die französische Hauptstadt.

Meine CD (gesprochen von Julia Stemberger) erschien 2000 bei arte nova und ist nur noch antiquarisch zu erhalten. Es gibt jedoch eine andere Interpretation von Sebastian Knauer und Hannelore Elsner hier.

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