Der kleine, preiswerte Reclamband vereint knapp 60 Gedichte aus dem 18. bis 21. Jahrhundert. Sie befassen sich mit den Themen „Ins neue Jahr“, „Glück und Segen“, „Schneegestöber“, „Geborgen daheim“, „Frost“ und „Winter im Land“.
Leider erfährt man außer den Geburts- und Todesdaten nichts zu den einzelnen Autor*innen. Und, mehr als schade, 50 Gedichten von männlichen Autoren stehen gerade einmal 9 von weiblichen gegenüber. Das verwundert nicht zuletzt, weil die Herausgeberinnen Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell heißen. Wir finden in dem Bändchen Gedichte der beiden von mir sehr geschätzten Dichterinnen Rose Ausländer und Hilde Domin, auch Elisabeth Borchers und Friederike Meyröcker sind mir ein Begriff – aber von Christine Busta (20. Jahrhundert, christlich, nicht emigriert), Christine Lavant (etwas spannender) und Ilma Rakusa (Literaturwissenschaftlerin und Übersetzerin) hatte ich noch nichts gehört. Dafür fehlt Annette von Droste-Hülshoff, deren „Am Feste der Heiligen Drei Könige“ auch nicht schlechter gewesen wäre als die Dreikönigslieder von Anonym oder Reinhold Schneider. Auch Selma Meerbaum-Eisinger hat es mit ihrem Lied nicht in die Auswahl geschafft, ebenso wenig wie Mascha Kaléko oder Else Lasker-Schüler – obwohl alle drei zum Thema durchaus gedichtet haben.
Stattdessen darf sich ein Ignaz Franz Castelli austoben (Schiller hat sich zu recht über ihn lustig gemacht):
„Kommt denn mit unhörbaren Tritten, / Ihr Helden längst verschollner Zeit! / In falt’ger Toga kommt geschritten, Im blutbeströmten Panzerkleid! // Ich seh‘ auf euren narb’gen Zügen, / Im Auge, das verfinstert droht, / Die Spur von hohen Tatenflügen, / Von wildem Glück und jähem Tod.“
Grundgütiger!
Mit einem Wort: Trotz einiger sehr spannender Gedichte ist diese Sammlung eher konservativ und betulich. Schade drum!
Wenn du sie wegen der guten Texte bestellen magst, hier der Link.