Zum 150. Todestag von H.C. Andersen hat Marius Felix Lange dessen Märchen „Die Schneekönigin“ als Familienoper komponiert. Uraufgeführt wurde sie 2016 in Duisburg. Auch das Libretto hat Lange selbst verfasst.
Die Oper lehnt sich im Aufbau stark an Andersen an. Sie besteht aus sieben Geschichten, die von der langen Suche Gerdas nach ihrem Freund Kay erzählen, dessen Herz kalt geworden und der von der Schneekönigin ins allernördlichste Lappland entführt worden ist. Erst, wenn er aus Spiegelscherben das Wort ‚Ewigkeit‘ zusammensetzen kann, darf er sie verlassen. Doch ohne Gefühle, nur mit dem kalten Verstand, ist er dazu nicht in der Lage. Schließlich findet Gerda ihn und löst die Aufgabe spielerisch. Mit ihrer Wärme kann sie Kay erlösen und wieder mit nach Hause nehmen.
Nicht nur an Verstand-ohne-Gefühl übt Lange Kritik, auch am Schneller-Höher-Weiter unserer Gesellschaft. Dabei zitiert er auch Rilkes Gedicht „Herbsttag“: „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben“. Denn was nutzt er Kay, dass er schnell auf dem Schlitten fahren kann, wenn Gefühle kein Haus mehr in ihm haben?
Die Musik ist sehr anspruchsvoll, so repräsentiert beispielsweise ein Zwölftonmotiv die Schneekönigin. Simple Kinderliedchen sucht man hier vergeblich. Wir erleben die Oper in der Flensburger Inszenierung. Diese orientiert sich überzeugend in der Ausstattung daran, dass Andersen nicht nur ein unvergleichlicher Schriftsteller, sondern auch ein begnadeter Scherenschnittkünstler war. Sehr überzeugend sind hier Maximilian Eisenacher (Bühnenbild) und Katharina Heistinger (Kostüme). Aufgrund des späten Beginns (19:30 Uhr!) sind nur wenige Kinder dort – die aber verfolgen die Handlung sehr begeistert. Auch uns gefällt die Aufführung. Da der Sänger der krächzenden Krähe erkältet ist und außer ihm nur drei andere Männer weltweit die Rolle beherrschen (die alle keine Zeit haben), behilft man sich: Er schauspielert und ein Mannheimer Opernsänger, der über Nacht die Partitur einstudiert hat, singt vom Rand der Bühne aus. Das Publikum applaudiert frenetisch. Eine rundum schöner, gelungener Opernabend!