Die Samin Mari Boine (*1956 in Norwegen) ist meine allerliebste Lieblingssängerin. Ich habe acht CDs von ihr, so viel wie von niemand anderem. Traditionellen samischen Joik vereint sie mit Jazz, Folk und Rock zu Weltmusik und arbeitet häufig auch mit Musiker*innen aus anderen Ländern zusammen.
Die Sam*innen leben – ursprünglich als nomadisierende Rentierzüchter*innen – in Nordskandinavien und der russischen Kola-Halbinsel und wurden (und werden teils noch) von den südlicher lebenden Völkern nach Kräften unterdrückt und zwangschristianisiert. Nicht ohne Grund bezeichnet Mari Boine die Norweger deshalb als „Herrenrasse“. Sie setzt sich politisch und in ihren Liedern für die Sam*innen und ihre Kultur ein und bemüht sich um ein Wiederaufleben auch ihrer vorchristlichen Spiritualität. Nein, samische Kultur ist nicht minderwertig, wie es ihr noch in der Schule beigebracht wurde!
Die CD „Winter in Moscow“ erschien 2001. Sigbjørn Nedland schreibt im Begleitheft über ihre Entstehung:
„Als ich 1990 nach Moskau reiste, um Interviews und Beiträge für mein Programm „Pandoras Jukebox“ aufzunehmen, stieß ich auf eine lebendige und hochinteressante Musikszene um das dortige MDM Studio. Während andere russische Gruppen versuchten, möglichst „westlich“ zu klingen, waren die Rockgruppe „Allians“, der Tontechniker Igor Zamarajev und andere, die dort arbeiteten, dabei, eine Art von „russischer Weltmusik“ zu entwickeln.
Die Stimmung und Atmosphäre, die ich in der Musik hören konnte, und die kreative Einstellung der Musiker brachten mich auf eine Idee, die mich wiederum zu Mari Boine und ihrer Band führte. Ich stellte mir vor, dass eine Zusammenarbeit fruchtbar sein könnte. (…) Sowohl die norwegischen als auch die russischen Musiker ließen sich begeistern (…).
Im Winter 1992 waren wir so weit: Die Musikerinnen und Musiker aus beiden Ländern trafen sich erstmalig in Moskau im Studio. Die Idee war folgende: innerhalb einer intensiven Woche zusammen Musik zu erarbeiten, die zwar auf den persönlichen Stilen der einzelnen Musiker und auf deren jeweiligen musikalischen Traditionen basierte; dennoch sollte versucht werden, eine gemeinsame Stimme zu finden, die die gemeinsam erarbeiteten musikalischen Ideen ausdrückt. Die ersten drei Stücke dieser CD bestehen aus Musik, die wir in dieser phantastischen Woche in Moskau erfanden. Man hört, wie russische Musik, die traditionelle Musik der Samen und moderne Rockmusik zu etwas Neuem, bis dahin noch nicht Gehörtem verschmelzen.
(…) Die anderen Lieder auf der CD wurden von den Hauptbeiteligten des Projekts eingespielt und zeigen ihren jeweiligen musikalischen Hintergrund. (…) Alles, was Sie auf diesem Tonträger hören, ist Musik von Musikern, die alte Traditionen ihrer jeweiligen Musik(…) nutzen und bewahren wollen. Auf diese Weise kreieren sie ihre eigene Identität. Sie kümmern sich um ihr Erbe, indem sie es in die Entwicklung moderner Musik einbringen.“
Hier kannst du die CD bestellen.

Ich bin, wie gesagt, ein großer Fan von Mari Boine. Auf der obigen CD Bálvvoslatjna singt sie überwiegend samisch, aber ein Lied auf Englisch ist dabei: Eagle Man / Changing Woman. Darin heißt es:
Snow woman
climbing the wind
blue light of winter
fills her baskets
oh changing woman
dance on the weather
lightning and feathers
mark her trail
Passt es nicht wunderbar in die Rauhnachtzeit? Hier der Link.