oben: Stoffkrippe, teilweise gestrickt, Bolivien aus der Krippenwelt Stein am Rhein
Nicht in meinem alten Bodensee-Reiseführer verzeichnet ist das erste Schweizer Museum, das sich komplett dem Thema „die Krippe“ verschrieben hat. Grund: Es existiert erst seit 2011. Umso angenehmer sind wir überrascht, als wir bei unserem Ausflug ins malerische Stein am Rhein im Juni 2026 ein entsprechendes Hinweisschild entdecken.
Mitten in der Fußgänger*innenzone logieren im ältesten noch original erhaltenen Haus des Ortes – es stammt aus dem Jahre 1302! – Museum, Weihnachtsshop und Bistro auf insgesamt vier Etagen. Von den rund 2.000 Krippen, die die Besitzer gesammelt haben, sind im ersten und zweiten Stock 600 in Wechselausstellung zu sehen, aus über 80 Ländern der ganzen Welt. Und es ist alles dabei: kitschige alpenländische, ebenhölzerne aus Afrika, quietschbuntes Aluminium aus Russland, tönerne aus Südamerika; Figuren aus Stroh, Papier, Salzteig; bis hin zu moderner Kunst, wo nur noch drei unterschiedlich hohe große Steinsäulen die Heilige Familie darstellen. Eine mechanische Riesenkrippe mechanisch bewegt sich auf Knopfdruck hin. Zwei befinden sich mitten in den Ofenlöchern der alten Kachelöfen, andere in Glübirnen, Kürbissen oder Wachteleiern. Hier findet gewiss jede*r seine Lieblingskrippe!
Im Erd- und Kellergeschoss kann man Weihnachtliches erwerben. Ganz zauberhaft sitzt man im Innenhof an einem Goldfischteich und kann hier, türkisch serviert, seinen (leider etwas teuren) Espresso schlürfen. Das Bistro im EG bietet Stühle und Tische für bis zu 36 Personen, und im Kunst-Gewölbekeller haben weitere 16 Menschen Platz. Hier gibt es alles von italienisch-Schweizer Apéro, über Mittagessen bis hin zu Kaffee und Kuchen. Und ab acht Leuten kann man vor Ort auch Familien- oder Firmenfeste feiern, selbst abends, bei Fondue oder Raclette.
Das Museum bietet natürlich auch Führungen an, wo man in Berührung mit den Geschichten und der der Welt hinter den Krippen kommt. Auch Religionsunterricht wird hier gehalten. Wie der Besitzer uns erzählt, können sie vom Betreiben des Museums allein nicht leben, aber sie verleihen regelmäßig Krippen an andere Museen und an Kirchen.
Die Krippenwelt ist mittwochs bis sonntags und an Feiertagen geöffnet, im Dezember und in der ersten Januarhälfte sogar an allen sieben Wochentagen, dafür aber von Mitte Januar bis Mitte März geschlossen. Sofern man (wie wir) keinen Schweizer Museumspass oder eine Raiffeisen-EC-Karte besitzt, kostet der Eintritt regulär derzeit 10 CHF – die sich voll und ganz lohnen.